Start Business abta: Travel Management befindet sich im Wandel

abta: Travel Management befindet sich im Wandel

1685
1
TEILEN

Unter dem vielversprechenden Titel „Travel Management im Wandel“ veranstaltete die abta ihre heurige Jahrestagung im Falkensteiner Hotel in Schladming. Die Themen sorgten für eine breite Diskussion.

Werbung

Zum Auftakt des Fachprogramms begrüßte abta-Präsident Hanno Kirsch zwei lokale Größen der berühmten Tourismusregion: Jürgen Winter, seit 2005 Bürgermeister von Schladming, und Georg Bliem, seit 2012 Geschäftsführer der Planai- und Hochwurzenbahnen GmbH.

In zünftiger Lederhose erzählte Winter begeistert über seine „Berg“-Stadt Schladming und verwies auf die ansehnliche Zahl von 2,9 Mio Nächtigungen in der Region. Georg Bliem präsentierte Österreichs Geschäftsreisemanagern die Planai- und Hochwurzenbahnen, das durch Winter- und Schitourismus geprägte größte Freizeitunternehmen der Steiermark.

Moderiert wurde die Tagung von den abta-Vorstandsmitgliedern Mag. (FH) Andreas Sturmlechner (Prokurist Europäischen Reiseversicherung AG) und Hannes Schwarz (GF FCm Travel Solutions, Columbus Business Travel GmbH).

EU und die Reisefreiheit

Kurz vor der EU-Wahl referierte Keynote Speaker Roland Adrowitzer, Chefreporter des ORF, über „Grenzenloses Europa“ und bezeichnete die EU in der derzeitigen Lage als „die unverstandene Union“.

Der renommierte Fernsehjournalist war u.a. von 2002 bis Ende 2006 Büroleiter des ORF in Brüssel und hielt ein Plädoyer für die Vorteile, die die EU gebracht hat.

Adrowitzer hob insbesondere den enormen Vorteil des „Reisens ohne Grenzen“ hervor, dessen Fehlen sich Jugendliche heute gar nicht mehr vorstellen könnten. Die schlechte Stimmung könne er nicht wirklich verstehen, um gleich hinzuzufügen, dass der Grund hierfür wohl sei, dass sowohl Politik als auch Medien nicht wirklich vermitteln können, was in Brüssel geschieht.

„Dabei haben wir derzeit die längste Friedensperiode, die es je in Europa gab, aber die Leute schätzen es nicht mehr. So zeigt gerade die Ukraine-Krise wie brüchig alles ist. Die ukrainische Grenze ist näher zu Wien als Innsbruck“, sagte Adrowitzer.

Speziell für den Tourismus sei das Reisen ohne Grenzen selbstverständlich geworden und auch der Euro sei aus der Reisebranche nicht mehr wegzudenken. Es kranke daran, dass sich die EU nie einige; alles Schlechte werde Brüssel in die Schuhe geschoben.

„Die EU ist mit 500 Mio Konsumenten die größte Wirtschaftsmacht der Welt, nur deswegen kann sie es mit Google & Co aufnehmen“, so Adrowitzer weiter. Und er zitierte den ehemaligen Kanzler Alfred Gusenbauer: „Europa muss verteidigt werden – was wäre denn die Alternative? Wir haben um 14 Prozent mehr Erwerbstätige und das BIP ist um 80 Prozent höher als vor 20 Jahren – in einem abgeschotteten Markt wäre das nicht erreichbar“.

Die EU stelle 7 Prozent der Weltbevölkerung, 25 Prozent der Wirtschaftsleistungen, 50 Prozent der sozialen Leistungen. Zur Migration wäre es auch so gekommen, durch den Zusammenbruch des Ostens. Androwitzer: „Die EU ist bis jetzt ein Projekt der Eliten geblieben. Es wäre wünschenswert, dass das Projekt so gestaltet wird, dass es auch für die große Masse gilt.“

Die anschließende Podiumsdiskussion über Hotels und Business Travel – praktische Erfahrungen und neue Chancen – leitete Sabine Toplak, VicePresident Sales & Distribution Austria & Eastern Europe Accor.

Markus Grasel, Leitung Internal Maintenance bei A1 Telekom Austria AG und Katharina Turlo, GM Austria CWT legten ihre Praktiken beim Hoteleinkauf im Travel Management sowie Erfahrungen im onlinebooking mit Hotelportalen dar. A1 habe 16.000 Nächtigungen im Inland, durchschnittliche Kosten seien 70 Euro pro Nächtigung. Mitarbeiter könnten frei entscheiden, in welches Haus sie gehen, solange die festgesetzte Obergrenze von 90 Euro nicht überschritten werde. Nicht jeder Mitarbeiter buche über HRS. Katharina Turbo meinte, bei CWT habe man 15 Millionen Hotelbuchungen im Jahr. Man müsse wissen, wie viele Buchungen in den verschiedenen Hotels gemacht werden, damit man richtig verhandeln kann, die Hotel-Programmgestaltung sei jedenfalls sehr umfangreich.

Die Vertreter der Hotelportale Dr. Matthias Warns, CSO von Hotel.deAG/HRS Group und Fritz Zerweck, CEO von ehotel AG, berichteten über Trends bei Buchungen von Firmenkunden in der Hotellerie.

Warns: „Weil bei Geschäftsreisenden viele Hotels über andere Kanäle von Mitarbeitern gebucht werden, wollen die Firmen wissen, wie man die Zahlungsströme steuern kann. Bei Verhandlungen mit Firmenkunden gibt es heute am Hotelmarkt Erscheinungen, die es im Airlinemarkt gibt, das sog. Yield-Management. Firmen können hier Einsparungen erzielen mit tagesaktuellen Raten, die größer sind, als bei vorher ausgehandelten Firmenraten“.

Nach Zerweck ändere sich das Buchungsverhalten vom offline in den online Bereich hinein. Offline gelte nur mehr für komplizierte Buchungen. Durch die Internationalisierung des Geschäfts werden Standardbuchungen fast immer online bzw. mobile gemacht.

Dr. Markus Gratzer, Generalsekretär der ÖHV, erklärte, Hotelportale seien zwar wichtige Partner, aber keine „Freunde“, denn Tagesbestpreise von Portalen können kleinere Hotels wie z.B. Ferienhotels unter Druck bringen, für kleine Betriebe sei dies oft eine Herausforderung.

Nutzung von Apps – neue Rolle für Travel Manager?

Einen weiteren Schwerpunkt der Tagung bildete die Nutzung von Apps im Geschäftsreisebereich. Basis bildete eine Blitzumfrage der abta, deren Ergebnisse von Wilfried Kropp (Amadeus) präsentiert wurden. In dieser Umfrage wurde nach der Nutzung von Apps für Business Traveller und der Rolle der Travel Manager gefragt. Die hohe Zahl von rund 100 Interviewten, die zusätzlich teilweise bis zu 90 persönliche Antworten hinzufügten, deutet auf ein starkes Interesse am Thema hin.

Wilfried Kropp wies allerdings auf eine Diskrepanz hin: „Travel Manager sehen durchaus den hohen Nutzen von Apps auf Geschäftsreisen, gleichzeitig bekennen sie, dass ihnen das Thema noch relativ fremd ist.“

Die technische Voraussetzung für die Nutzung von Apps ist jedenfalls in Österreich gegeben. Rund 90 Prozent der Reisenden sind mit SmartPhones unterwegs; das ist mehr als in Deutschland und anderen Ländern.

Als Vorteile werden hauptsächlich die Zeitersparnis unterwegs genannt: Es gibt weniger Rückfragen, viele aktuelle Infos am Zielort stehen zur Verfügung, das Check-In bei den meisten Airlines funktioniere klaglos.

Rund 88 Prozent der Befragten meinten, dass die Apps durchaus auch dem Unternehmen, nicht nur dem Reisenden nützen. Dennoch: Nur 24 Prozent der Befragten empfehlen ihren Reisenden bestimmte Apps.

Anders als die Leistungsträger, die Apps als Verkaufsunterstützung sehen und sie daher kostenlos oder zu einem symbolischen Preis anbieten, erwarten die Travel Manager von einer „idealen“ App, dass sie leistungsträger-übergreifend informiert und vor allem Verknüpfungen mit firmeninternen Anwendungen herstellt.

An erster Stelle wird das Online-Travel-Management-Tool, aber auch die Anbindung von Terminkalendern und Travel Expense-Systemen als wünschenswert genannt. Für eine solche App wären rund 40 Prozent der Befragten auch bereit, an Reisebüros oder Technikanbieter eine Nutzungsgebühr zu zahlen.

Marina Hegemann von dem Innsbrucker IT-Anbieter Tourist Mobile GmbH zeigte Möglichkeiten auf, wie große Unternehmen sich eine spezifische App entwickeln lassen können. In einer Technik-Ecke, unterstützt von A1 Telekom, konnten die Tagungsteilnehmer praktische Erfahrungen mit Travel-Apps sammeln.

Weitere Themen waren Fragen, inwieweit die Bewertungs-Plattform Tripadvisor auch von Firmenkunden genützt wird, ob Corporate Apps vom Geschäftsreisenden angenommen werden sowie die Vorteile der International SOS Assistance App zur Sicherheitsvorsorge für Geschäftsreisende.

Strom statt Sprit – Zukunftschance Elektromobilität

Über Produktangebote, Möglichkeiten, Entwicklungen und Trends in der Elektromobilität referierte Mag. Gundl Perschler, GF Energie Steiermark MobilitätsGmbH. Das auf den Elektromobil-Fahrzeugverleih, Consulting sowie Produkt- und Projektentwicklung spezialisierte Unternehmen sieht große Wachstumschancen in der E-Mobilität und er zählt auch gleich die Vorteile auf: kein CO2 Ausstoß, Gratis Parken, keine NoVA, Nachlässe der Versicherungen und der Kostenfaktor: ein E-Auto koste das dreifache eines Kühlschranks, bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 13.300 km kämen die jährlichen Kosten auf 897 Euro. „Man möchte zukünftigen Generationen eine grüne und nachhaltige Zukunft bieten“, so das Credo des Unternehmens.

Die Tagungs-Teilnehmer konnten eine beachtliche und attraktive E-Flotte an Ort und Stelle besichtigen und auch eine Probefahrt unternehmen. Ein besonders gefragtes Modell bei den Teilnehmern war der schnittige E – BMWi3.

Verkaufen an Adam und Eva

Tipps für Business Talk zwischen Mann und Frau im Travel Management gab Buchautorin und Trainerin Vivien Manazon in ihrem unterhaltsamen Vortrag „Verkaufen an Adam und Eva“. Frauen kaufen anders als Männer – gerade im Bereich des Marketings werde dies laut Manazon noch nicht berücksichtigt. Sie zeigte die Unterschiede in der Kommunikation und beim Kaufverhalten bei Frauen und Männern auf, und sorgte für so manche Heiterkeit im Publikum.

Lufthansa Premium Economy Class – 50 Prozent mehr Freiraum für Vielflieger

Zuletzt wurde die neue Lufthansa Premium Economy Class von Thomas Drescher, Key Account Manager Vertrieb für Austrian, Lufthansa, SWISS, Lufthansa private Jet und Alex Schnecke, Head of Business Sales Austrian, Lufthansa und SWISS den Reisemanagern vorgestellt.

Die „Edelholz“-Klasse wird auf den Langstrecken der Lufthansa Passagieren viel mehr Bequemlichkeit bieten und eignet sich daher ideal für Vielflieger: 50 Prozent mehr Freiraum, verbreiteter Sitz, der Sitzabstand beträgt um 17 cm mehr als in der normalen Economy-Klasse. Der erste Flug mit der Premium Economy Class der Lufthansa wird im November von Frankfurt nach Buenos Aires starten.

Networking in Dirndl und Lederhosen

Gesellschaftliches Highlight war ein zünftiger Hüttenabend in der Waldhäuslalm mit deftigen Schmankerln und Musik: die abta-MItglieder waren in Bombenstimmung und genossen ihr Networking in Dirndl und Lederhosen, im total steirischen Ambiente.