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Wie ist die Lage in Jordanien?

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Die kleine nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches geschaffene Hashemiten-Monarchie liegt inmitten einer der langwierigsten und konfliktreichsten Krisenzonen der gesamten Welt. Mit großer Mühe und vor allem auch dank massiver westlicher und arabischer Unterstützung hat es Jordanien geschafft, einigermaßen ruhig und stabil zu bleiben.

Es ist aber trotz allem nicht zu übersehen, dass sich unter der relativ ruhigen Oberfläche zahlreiche ungelöste Konflikte verbergen. Die Analyse des „Rafik Hariri Center for the Middle East“, im Washingtoner think tank „Atlantic Council“ angesiedelt, bringt eine kurze aber recht fundierte Darstellung.

Seit Ausbruch der Kampfhandlungen in Syrien ist Jordanien als Nachbarstaat natürlich ganz besonders von dieser aktuellen Krise betroffen. Derzeit halten sich in dem 6,5 Millionen-Einwohnerstaat knapp über 600.000 syrische Flüchtlinge auf, rund zehn Porzent der Bevölkerung.

Das kleine ohnedies wirtschaftlich nicht besonders starke Land hat daher mit großen finanziellen, organisatorischen und auch politischen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Man stelle sich vor, wenn gewissermaßen über Nacht 800.000 Flüchtlinge in Österreich Schutz und temporären Aufenthalt suchten“, sagt Fritz Edlinger, Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen.

Der kurze Bericht von Claudia Mende, der aktuellen Ausgabe des von der Deutschen Welle wöchentlich herausgebrachten Newsletters Qantara entnommen, schildert die aktuelle Situation.

Das sollten Sie bei Geschäftsreisen nach Jordanien wissen:

Das österreichische Außenministerium warnt derzeit vor Reisen ins Grenzgebiet zu Syrien – insbesondere in den Bereich Ramtha/Al-Jabir/Mafraq und zum Irak. Die vorübergehend gesperrten Grenzübergänge von Syrien nach Jordanien sind geöffnet und passierbar.

Der Bürgerkrieg in Syrien wirkt sich auf die Sicherheitssituation im Grenzgebiet aus, wo es im vergangenen August zu Gefechten und Raketenbeschuss kam. Darüber hinaus kommt es fast zu täglichen, teils intensiven Ausschreitungen in syrischen Flüchtigungslagern nahe der Grenze (Nähe Mafraq), vor allem auch gegen ausländische Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen.

Dennoch kann die Sicherheitslage im Haschemitischen Königreich Jordanien – trotz der Situation an der syrischen Grenze – als relativ stabil eingestuft werden. Die komplexen Verhältnissen im Nahen Osten, in den besetzten Palästinensischen Gebieten (Gazastreifen und Westjordanland), in Syrien sowie in der Republik Irak sind stets zu beobachten und zu beachten. Politische Entwicklungen und anschwellende Konflikte in Nachbarländern können sich rasch auf Jordanien auswirken.

Da die Sicherheitslage im Irak instabil ist, wird vor Reisen auf dem Landweg von Jordanien in den Irak nach wie vor abgeraten. Auch Grenzübergänge zu anderen Nachbarländern, insbesondere zu Israel, stellen ein Gefahrenpotential dar.

Jeder Reisende, der sich in ein Gebiet mit einer erhöhten Sicherheitsgefährdung begeben möchte, muss sich der Gefährdung bewusst sein. In diesem Fall wird dringend empfohlen, sich über die Medien bzw. über Ihren Reiseveranstalter genauestens über die Sicherheitslage vor Ort zu informieren und diese gegebenenfalls während des Aufenthaltes regelmäßig zu überprüfen.

Kundgebungen und große Menschenansammlungen jeder Art, vor allem auch nach dem Freitagsgebet, sollten vermieden werden. Allein reisenden Frauen wird erhöhte Vorsicht angeraten; es wird auch empfohlen, sich wenn möglich durch vertrauenswürdige Personen begleiten zu lassen oder Taxis zu benutzen.

Folgende besondere rechtliche Bestimmungen sollten Geschäftsreisende und Touristen beachten:

  • Homosexualität ist in Jordanien illegal, bei öffentlichen Handlungen muss mit Verhaftung und Gefängnisstrafen gerechnet werden.
  • Der Bezug von Doppelzimmern/Zusammenwohnen unverheirateter Paare in Hotels etc. ist generell verboten wird, wird aber gewöhnlich im Falle von Ausländern, die sich ansonsten unauffällig verhalten, geduldet.
  • Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz werden schon bei geringsten Mengen und bei jeder Art von Drogen mit langjährigen Gefängnisstrafen (bis lebenslänglich) geahndet, unter Umständen in Verbindung mit Zwangsarbeit. Die Haftbedingungen sind härter als in Österreich. Das jordanische Strafrecht beinhaltet die Todesstrafe.
  • Es besteht strenges Fotografierverbot von militärischen Anlagen und Einrichtungen. Majestätsbeleidigung steht unter Strafe.
  • Es wird empfohlen, Kleidung und Verhalten den lokalen Gepflogenheiten und religiösen Empfindungen anzupassen. Eine besondere Rücksichtnahme auf die lokalen Sitten und traditionellen Gebräuche ist zu empfehlen.
  • Alkohol am Steuer ist strikt verboten (Null-Promille-Grenze). Auch bei unverschuldeten Verkehrsunfällen mit Personenschaden kann es zur Festnahme der Unfallbeteiligten durch die Polizei kommen.
  • Alkohol sollte, wenn überhaupt, nur mäßig und örtlich beschränkt abseits von der lokalen Bevölkerung in jenen Hotels oder Restaurants konsumiert werden, die über eine entsprechende Lizenz verfügen.
  • TRAVELbusiness-Tipp: Österreichische Unternehmen und Investoren sind in Jordanien willkommen. So werden zum Beispiel Joint Venture-Partner im Mineralölbereich mit spezifischem Interesse für die Region Nahost- und Nordafrika gesucht. Ein Hersteller von Kosmetikprodukten, Reinigungs- und Desinfektionsmitteln, Insektiziden etc. möchte seine internationale Präsenz auch auf den österreichischen Markt ausweiten und sucht Handelsvertreter, speziell für seine „Dead Sea“- und Hygienelinie. Die Produktpalette entspricht internationalem Standard und ist ISO 9002 zertifiziert. Bei Interesse wenden Sie sich an Christa Polisensky, WKO Wien, Tel. (01) 514 50 DW 1300. Visumpflicht gibt es für gewöhnliche, Dienst,- und Diplomatenpässe.