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Geschäftsreise: Wer hat Angst vor Share Economy?

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Euroscheine als Kugel
Die Share Economy hat sich auf dem Geschäftsreisemarkt noch nicht durchgesetzt: Das ist das Ergebnis der aktuellen Geschäftsreiseanalyse des VDR (Foto: Pixabay)

Euroscheine als Kugel
Die Share Economy hat sich auf dem Geschäftsreisemarkt noch nicht durchgesetzt, dabei bietet sie ein beachtliches Sparpotenzial. Das ist das Ergebnis der aktuellen Geschäftsreiseanalyse des VDR (Foto: Pixabay)
Geschäftsreisen sind für Unternehmen kostspielig. Sie belasten Budgets und die Rendite. Also muss gespart werden. Doch wenn’s um Share Economy-Angebote im Geschäftsreisemarkt geht, werden diese von vielen Unternehmen nur zögernd angenommen. Das bestätigt die aktuelle Ausgabe der Geschäftsreiseanalyse des GeschäftsreiseVerbands VDR.

Die Geschäftsreiseanlyse wurde jetzt im Rahmen eines ITB Academy Webinars der ITB Berlin vorgestellt. Und sie zeigt Erstaunliches:

  • Nur die Hälfte aller Unternehmen, denen Sharing-Angebote bekannt sind, lässt beispielsweise KFZ-Buchungen über Portale wie DriveNow, Car2Go oder Flinkster zu.
  • Nur in etwa jeder dritten größeren Firma ist es erlaubt, Übernachtungen über airbnb zu buchen oder einen „Ride Sharing“-Dienst wie Uber zu ordern. Die größte Akzeptanz haben Übernachtungsalternativen aus dem Bereich Share Economy in kleineren Unternehmen.
  • Dirk Gerdom, Präsident des GeschäftsreiseVerbands VDR, glaubt, die Gründe zu kennen: „Obwohl Geschäftsreisende oftmals die ersten sind, die neue Trends in Sachen Mobilität aufspüren, scheint es sich hier genau umgekehrt zu verhalten. Neben den persönlichen Präferenzen der Reisenden, dürften dabei auch rechtliche und versicherungstechnische Aspekte sowie die Sicherheit eine große Rolle spielen.“

    „Zudem könnten solche Angebote oftmals nur schwer in bereits bestehende IT-Prozesse bei der Buchung und Abrechnung von Geschäftsreisen eingebunden werden“, so Gerdom.

    Geschäftsreisen stützen deutsche Wirtschaft

    Insgesamt ist die Anzahl der Geschäftsreisen von 2013 auf 2014 um 2,8 Prozent auf 175,8 Millionen gestiegen. Im Jahr 2014 gab es insgesamt 10,1 Millionen Geschäftsreisende, was zu Ausgaben in Höhe von 49,2 Milliarden Euro führte.

    Bei der zum Vorjahr gleich gebliebenen durchschnittlichen Geschäftsreisedauer von 2,1 Tagen sind die Kosten pro Reisetag marginal von 148 Euro auf 146 Euro im Jahr 2014 gesunken.

    Im Gegensatz zum Urlaubsreisemarkt sind diese Ausgaben der Geschäftsreisenden etwa doppelt so hoch und werden saisonunabhängig ausgegeben. Das sichert landesweit Arbeitsplätze der Hotellerie, Gastronomie und im Transportbereich.

    2014 gab es Mehrkosten in allen Leistungsbereichen außer für Mietwagen. Der deutlichste Anstieg innerhalb eines Jahres zeigt sich erneut im Verpflegungsbereich mit 0,3 Milliarden Euro Mehrkosten.

    Und: aus den ebenfalls seit ein paar Jahren wieder ansteigenden Kleinbeträgen „sonstige Kosten“ wurden 2014 stattliche fünf Milliarden Euro. Darunter fallen transportbedingte Kosten für Kraftstoff, Taxi, ÖPNV und Kilometerpauschalen bis hin zu Parkgebühren.

    Größere Firmen werden öfter von Kommunikationskosten belastet als kleinere; Ursache sind häufigere Auslandsreisen. Im Vergleich zu den Unternehmen gibt der öffentliche Sektor anteilig weniger Geld für Kommunikation, Kreditkarten, Bewirtung und Geschenke aus, mehr dafür im Messe- und Tagungs-/Seminarbereich.

    Die Bahn legt zu, die Hotelübernachtungen erreichen Rekordwert

    Im Transportbereich hat die Bahn Marktanteile hinzu gewonnen. Im Fünfjahresvergleich sind die anteiligen Ausgaben für Bahnreisen von 16 Prozent auf 19 Prozent angestiegen – hauptsächlich zum Nachteil der Mietwagenbranche.

    Nach wie vor wird jeder vierte Euro für Übernachtungen beziehungsweise Flugreisen ausgegeben. Den Vorjahreserwartungen entsprechend wurde die leichte Stagnation bei den Hotelübernachtungen nicht nur aufgeholt – sie erreichten einen Rekordwert von 63,7 Millionen.

    Der jahrelange Inlandstrend „hin zur Mitte“ hält an. Neun von zehn Geschäftsreisenden sind in Häusern der 3- oder 4-Sternekategorie anzutreffen.

    Zusammengenommen steigt die Bedeutung der Bereiche „Persönliche Empfehlungen“ und „Bewertungen“ gegenüber der traditionellen Klassifizierung. Die klassischen Sterne liefern eine weitere Basis für die Auswahl, aber sie sind nicht mehr allein ausschlaggebend.

    Seit ein paar Jahren werden Fernbusse als Konkurrenz zu Bahn und Pkw auch im Geschäftsreiseverkehr diskutiert. Tatsächlich nutzen kleine und mittelständische Unternehmen Fernbusse bereits deutlich häufiger als andere.

    Doch auch die größten Firmen, meist jene mit preissensiblen Travel Managern am Steuer, sind nicht ausnahmslos abgeneigt: etwa jeder zehnte hat Fernbusse im Transport-Repertoire. Im öffentlichen Sektor buchen 14 Prozent der Dienstreisenden auch mal eine Busreise.

    Insgesamt geht der VDR davon aus, dass das Vertrauen in stabile wirtschaftliche Verhältnisse für das Jahr 2016 anhalten wird. Das spiegelt sich auch in den Prognosen der meisten Geschäftsreiseverantwortlichen wider: Sie erwarten insgesamt gleich bleibende oder leicht steigende Reisevolumina im kommenden Jahr.

    TRAVELbusiness-Background: Die Grundgesamtheit der Untersuchung bilden alle Unternehmen mit Sitz in Deutschland – auch diejenigen mit Aktivitäten im Ausland – sowie Organisationen des öffentlichen Sektors ab zehn Mitarbeitern.

    Zwischen Januar und April 2015 wurden 800 computergestützte Telefoninterviews mit Personen geführt, die für das Management von Geschäftsreisen zuständig sind beziehungsweise organisatorisch befugt sind, die gesuchten Daten zur Verfügung zu stellen.

    Somit spiegeln die Antworten auf qualitative Fragen die zum Zeitpunkt der Befragung aktuelle Situation wider, alle anderen basieren auf den Zahlen des Jahres 2014.

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