Start Reisetipps Von der Airline sitzengelassen: Was tun?

Von der Airline sitzengelassen: Was tun?

1734
7
TEILEN
Die Gründe für Reiseunterbrechung sind unter anderem Verspätungen und Streiks bei der Airline (Foto: iStock)
Die Gründe für Reiseunterbrechung sind unter anderem Verspätungen und Streiks bei der Airline (Foto: iStock)

Das ist Geschäftsreisenden und Urlaubern sicher schon mal passiert: Statt mit der gebuchten Airline abzufliegen, mussten sie am Boden bleiben, weil ihnen die Fluggesellschaft wegen Überbuchung den Mitflug verweigert hat. Zu Recht? Nicht immer, wie sich das später oft herausstellt.

Täglich sind hunderte Reisende an österreichischen und deutschen Flughäfen von der so genannten unfreiwilligen Nichtbeförderung betroffen. Konkret heißt das: Die Airlines befördern die Passagiere trotz gültigen Flugtickets nicht in dem gebuchten Flieger zu ihrem Reiseziel.

Das Verbraucherportal Flightright nennt die Gründe, in welchen Fällen Fluggäste laut EU-Recht (VO) EG Nr. 261/2004) Anspruch auf Entschädigungszahlung haben und was Reisende vermeiden sollten, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

Der Hauptgrund, warum Flugreisende nicht befördert werden, ist die Überbuchung einer Maschine. Das kann an einem Fehler im EDV-System der Fluggesellschaft liegen. Ebenso ist möglich, dass die Airline auf so genannte No-Shows gesetzt hat und sie einen Prozentsatz von Sitzplätzen mehrfach verkaufte.

Wenn die Airline überbucht ist, was dann?

„Planmäßig sind die Flugzeuge um etwa zehn Prozent überbucht“, behauptet Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. „Die Airlines wollen in jedem Fall für eine optimale Auslastung ihrer Flieger sorgen und gehen das Risiko ein, einzelne Kunden, nicht wie geplant befördern zu können“, sagt Marek Janetzke, Geschäftsführer von flightright.

Für die Betroffenen ist dies ärgerlich. Der einzige Trost besteht darin, dass sie laut EU-Fluggastrechte-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigungszahlung in Höhe von 250 bis 600 Euro haben, die ihnen die verantwortliche Airline zahlen muss. Ein möglicher Anspruch lässt sich einfach und ohne Kostenrisiko mit dem Entschädigungsrechner von flightright prüfen und durchsetzen.

Den Mitflug zu verweigern, weil ein Passagier die zum Ticketkauf genutzte Kreditkarte beim Check-In nicht vorweisen kann, ist nicht gerechtfertigt. Wie das Landgericht Frankfurt klarstellte (Az. 2-24 O 142/10), sind entsprechende Geschäftsbedingungen von Fluggesellschaften nicht gültig.

Sollte die Airline die Beförderung eines Passagiers verweigern, weil er seine Kreditkarte am Schalter nicht vorweisen kann, ist diese sogar zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet. In einem solchen Fall ist es die Fluggesellschaft, die mit einer Nichtbeförderung den mit dem Passagier geschlossenen Vertrag nicht einhält.

Schließlich könnten Passagiere auch ohne eigenes Verschulden ohne die zum Ticketkauf genutzte Kreditkarte dastehen, beispielsweise durch Verlust, Diebstahl oder aus Sicherheitsmaßnahmen der eigenen Bank.

Wer zu spät zum Airline-Schalter kommt, was dann?

Um Zeit zu sparen, kommen Fluggäste häufig möglichst spät zum Abfertigungsschalter. Sie riskieren damit, nicht von der Airline mitgenommen zu werden. Wenn nicht anders von der Fluggesellschaft kommuniziert, sollten sich Passagiere mindestens 45 Minuten vor geplantem Start beim Abfertigungsschalter einfinden – auch wenn sie online eingecheckt haben. Wer zu spät kommt, verliert in der Regel den Anspruch auf sein Ticket.

Fluggastrechte: Von E. Lindinger und Th. Labacher
Das Sachbuch Fluggastrechte ist ein Vademecum für alle, die wissen wollen, welche Recht sie als Passagier haben (Foto: Manz)
Die Airline darf die Mitnahme auf den gebuchten Flug verweigern und ist zu keiner Entschädigungszahlung verpflichtet. Was viele Reisende nicht wissen:

Dasselbe gilt auch, wenn Passagiere aufgrund längerer Wartezeiten bei den Sicherheits- oder Passkontrollen zu spät am Flieger stehen. Auch in diesem Fall ist meistens das Ticket verloren und es besteht kein Anspruch auf Entschädigungszahlung durch die Fluggesellschaft.

„Schließlich ist der Airline nicht vorzuwerfen, dass die Grenzpolizei und der Zoll gewissenhaft ihrer Arbeit nachkommen“, so Janetzke von flightright. Mit viel Glück ist die Airline den Betroffenen gegenüber kulant und bucht sie auf einen späteren Flug. Flugreisende sollten aber grundsätzlich immer genügend Umsteigezeit einplanen, um das Risiko zu vermeiden, durch Sicherheits-Checks den Flug zu verpassen.

Immer wieder hört man davon, dass Passagieren der Flug verweigert wurde, weil diese für sich oder andere Fluggäste plus Crew ein Sicherheitsrisiko darstellten. Das kann mit einer ansteckenden Krankheit begründet sein oder auch damit, dass ein Reisender es mit dem üblichen Verhaltenskodex nicht zu genau nimmt oder gar alkoholisiert randaliert.

Tatsächlich ist aber auch schon vorgekommen, dass eine Gruppe Schwerhöriger des Fliegers verwiesen wurde oder ein schwergewichtiger Reisender unfreiwillig nicht mit ans Ziel kam. Ob diese Entscheidungen jeweils tatsächlich begründet sind und die Betroffenen keinen Anspruch auf Schadensersatz haben, ist vom Einzelfall abhängig.

In jedem Fall empfiehlt es sich aber, kein unnötiges Risiko einzugehen und die Urlaubs-Vorfreude bis zum Zielflughafen zu drosseln: Vor Ort können die Korken dann umso lauter knallen.

Kein Visum, kein Geld von der Airline!

Einige Länder nehmen es mit dem Einreisevisum ganz genau. Flugreisende, die beispielsweise in die USA oder auch nach Russland fliegen, sollten peinlichst genau darauf achten, dass ihr Visum nicht angreifbar ist und von den entscheidenden Behörden geprüft wurde. Alleine ein Schreibfehler im Namen des Reisenden kann zu dessen Ungültigkeit führen.

Immer wieder kommt es vor, dass Airlines ihren Passagieren wegen unzureichender Visa die Beförderung verweigern. Am häufigsten ist dies der Fall, wenn Passagiere nicht wissen, dass dies auch allein für einen Zwischenstopp in einem Land mit sehr strengen Auflagen gilt. Die Fluggesellschaften sind für diese Richtlinien nicht verantwortlich und somit bei einer unfreiwilligen Nichtbeförderung des Passagiers auch nicht zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet.

Die Fluglotsen streiken und nichts fliegt mehr. In der Regel gehen die Flugreisenden in diesen Fällen leer aus und bleiben ohne Entschädigung durch die Airline. Denn Streiks zählen zu den außergewöhnlichen Umständen, auf die Airlines keinen Einfluss haben und die außerhalb ihres Verantwortungsbereiches liegen.

Das trifft für Passagiere zu, deren Flüge unmittelbar von den Streiks betroffen sind. Reisende, denen nach der Umorganisation von Flügen die Beförderung verweigert wird, haben jedoch Anspruch auf Ausgleichsleistungen. Das bedeutet, dass beispielsweise am Tag nach dem Streik alle Flüge wieder regulär starten können.

Einzelnen Passagieren wird die Beförderung jedoch verweigert, weil auf ihrem Platz nun ein Fluggast vom Vor- sprich Streiktag sitzt, der ebenfalls von A nach B will. In diesem Fall hat die Airline einen Fluggast gegen seinen Willen nicht befördert. Sie ist in der Regel zu einer Entschädigungszahlung ihm gegenüber verpflichtet. Der Europäische Gerichtshof begründete dies damit, dass anderenfalls ein Fluggast völlig schutzlos wäre, wenn eine Fluglinie sich auch auf Vorkommnisse berufen könnte, deren Lösung in ihrer Hand liegt. (EuGH, Urteil v. 04.10.2012, Az.: C-22/11)

Noch mehr Themen über Fluggastrechte

Airline muss beweisen, warum Flug annulliert wurde
Reisebeschwerden: Statt Urlaubsfreude nichts als Ärger
EU-Fluggastrechte: Wissen Sie, wann ein Start ein Start ist?
Wie Geschäftsreisende bei Airlines ihr Recht in Bares ummünzen
Buchtipp: Wie Sie als Flugpassagier zu ihrem Recht kommen
Worauf haben Flugpassagiere bei höherer Gewalt Anspruch?
IATA fordert einheitliche Regeln für Fluggastrechte
Fluggastrechte: Schneller zu Geld kommen
Was tun bei Reisemängeln?